| Auszüge aus "Aufzeichnungen
aus einer Diktatur" , von
Pfarrerssohn Gegenwind ISBN: 9783839191651 Verlag: Books on Demand (BoD) |
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Der Gottesdienst Würgende Laute, dann das Rauschen der Wasserspülung. Der Vater hatte mal wieder seinen schwersten Tag vor sich. Ich machte mich inzwischen fertig, zog meinen dunklen Anzug an und ging zur Kirche. In dem alten Bau hatten sich schon Gläubige versammelt, meistens alte Frauen und Jugendliche, die den Gottesdienst besuchen mußten. Ich stieg hoch in die Empore, wo schon einige Freunde aus der Christenlehre mich erwarteten. Dann stimmte der Organist ein Lied an, die Gemeinde sang mit, die Stimme der alten Frauen vermischten sich mit einigen verlorenen Männerstimmen, und dann kam der Auftritt des Vaters. Er stieg auf die Kanzel, blickte mit strenger Mine nach links, nach rechts, in Wirklichkeit tat er nur so, er zählte nämlich seine Schäfchen, dann schlug er die Bibel auf und begann daraus, einen Abschnitt vorzulesen. Danach kam die Predigt. Es war immer das Gleiche.. Am Anfang war seine Stimme noch ruhig, dann aber steigerte er sich jäh und endete in einem furiosen Staccato, von dem ich nur noch Wortfetzen erinnere, die heutige Jugend, ... lebt in wilder Ehe, .. verantwortungslos, Vater und Mutter ehren etc. Wir unterdessen lasen unter den Bänken ruhig unsere Comics. . Manchmal passierte es, daß Gläubige, die ihren Sonntagsschlaf nachholen wollten, durch das Gebrüll unsanft aufgeweckt wurden. Nach dem Gottesdienst mußten wir nach unten in die Sakristei, wo dann unsere Teilnahme am Gottesdienst bestätigt wurde. Freudestrahlend empfing er uns, als ob er soeben aus der Hölle entstiegen sei. Danach gab es immer ein gutes Essen, oft waren Gäste eingeladen. Der Vater führte dann seine Familie vor. Die Mutter in der Küche legte in der Zwischenzeit letzte Hand an das Essen, stolz trug sie die Gerichte herbei, die von allen gelobt wurden. Mit hoch erhobenem Kopf, auf dem als Zeichen der Frömmigkeit die Glaubenzwiebel prangte, freute sie sich über das Lob für das ausgezeichnete Essen. |
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Der Pracker Ein Wohnzimmer in den 50er Jahren. Ein runder, schwarzer Tisch mit Glasplatte, Mokkatassen darauf. Gegenüber dem Tisch zur Tür hin eine Couch mit braunem Bezug für den Mittagsschlaf des Hausherrn. An der gegenüberliegenden Wand eine Kommode , darin Tassen, Teller, Tischtücher und Servietten in den Schubläden. Eine Glasvitrine stellte ein chinesisches Porzellanservice aus. Die Kommode nahm einen großen Teil der Wand ein, in der Ecke zur anderen Tür, die auf den Flur hinausging, stand , nicht sichtbar für die Besucher, ein Teppichklopfer aus Bambus, von uns Pracker genannt. Wenn der Herr übler Laune war, und dafür gab es viele Anlässe wie schlechte Klassenarbeiten, Rügen von den Lehrern, schlechte Schulzeugnisse, meine Übertretungen der Ausgangszeit, dann trat der Pracker in Aktion. Der Herr zitierte mich in das Wohnzimmer , versperrte darauf die Türen, dann ein kurzer Hinweis auf meine Sünden, wie er sich ausdrückte, und dann tat er sich keinen Zwang an und schlug mit bestialischer Freude auf mich ein, vorzugsweise auf den Rücken und den Po zielend. Während dieses Strafrituals herrschte Totenstille im Haus, nur manchmal vernahm ich ein leises Wimmern der Mutter. |
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Die Taufe Nach einer Woche im Heim, ich hatte mich schon etwas eingelebt, kam die „Taufe.“ Freitags wurde immer geduscht, die Heimleitung hatte kein großes Vertrauen in die Körperhygiene der Heimschüler , deshalb wurde dieser Duschtag unter Aufsicht veranstaltet. Die Großen, das heißt die Schüler der Oberstufe duschten zuerst, dann kam die Mittelstufe und zuletzt die Schüler aus der Unterstufe. Die Aufnahme in die Heimgemeinschaft erfolgte bei Neulingen durch eine Art Taufe. Dazu packten uns die Großen und setzten uns unter die Dusche. Dann wusch sich einer von ihnen mit aller Behaglichkeit seinen Kopf über uns aus. So habe ich es erlebt. Eine dreckige Brühe ergoß sich über mich. Ich wehrte mich kaum, wußte ich doch, daß ich gegen die Übermacht der Großen keine Chancen hatte. Einmal geschah es, daß ein sehr sensibler Schüler getauft werden sollte. Der Schüler hatte Angst vor diesem Ritual. Er versteckte sich in seinem Zimmer. Eine Abordnung der Großen zerrte ihn aus seinem Schlupfwinkel heraus und schleifte ihn unter Gejohle vom zweiten Stock in den Keller. Viele schauten dabei zu, keiner griff ein. Doch dem Musiker, wie wir ihn nannten, gelang es, sich kurz vor dem Duschraum von seinen Häschern loszureißen. Nun begann eine wilde Verfolgungsjagd, die schließlich damit endete, daß das Opfer eingefangen wurde. Jetzt kannten die in Wut geratenen Großen kein Pardon. Zuerst wurden dem Jungen die Haare abgeschnitten, sie waren schulterlang, damals ein Affront gegen die herrschende spießigen Moralvorstellungen. Der Junge wehrte sich verzweifelt gegen diese Beschneidung seiner persönlichen Freiheit, er hatte jedoch keine Chance gegen die Großen, die mit dem Wohlwollen der Heimleitung rechnen konnten. Dann kam die eigentliche Taufe. Zuerst rissen ihm die Großen die Kleidungstücke vom Leib, dann schubsten sie ihn nackt unter die Dusche , zwangen ihn, sich dort auf den Boden zu legen, rissen ihm mit aller Gewalt den Mund auf, während der Heimälteste in aller Ruhe seine Kopf über ihm wusch. Als wir nach der Reform das neue Schulgebäude draußen vor den Toren der Stadt bezogen, wurde auch das Heim umorganisiert. Als Vorlage dienten die Schriften des Humanisten Ulrich von Hutten. So hießen von nun an die Schüler, die Andacht hielten, Domvögte. Diejenigen, die tägliche Auswahl des Fernsehprogramms besorgten, wurden Kulturvögte genannt. Der Heimleiter hatte nun den Titel eines Hochmeisters und der Schulmeister nannte sich Großmeister. Wir waren die Ritter und mußten uns bei Verfehlungen vor einem Ehrengericht verantworten, das aus Dekan, Schulleiter, Heimleiter Präfekten und , falls erforderlich ,Lehrern bestand. So hatte also in die Heimschule das Mittelalter Einzug gehalten. Der neue Schulleiter wirbelte heftig, fast jede Woche tagte das Ehrengericht, meistens ging es dabei um schlechte Schulleistungen oder “unrühmliches Verhalten” im Heim. Das Heim, das in den ersten Jahren Zuflucht für Schüler mit Lernproblemen geboten hatte, ändere sich nun. Ein frischer Wind wehte nun durch die eben erst fertiggewordenen Schule Schüler, die sich hier eine Besserung ihrer schulische Leistung erhofft hatten, wurden jetzt enttäuscht. Manche Schüler schnitten sogar in den neuen Gebäuden dieser kirchlichen Schule schlechter ab als in ihren früheren staatlichen Bildungseinrichtungen. Der neue Direktor , ein Altphilologe, schraubte vor allem die Leistungen hoch. Klassenarbeiten wurden schwieriger, die Lehrer wurden angehalten, strenger zu benoten. Wir Schüler dachten oft wehmütig an die herrlichen Zeiten in unserer alten Schule mit Kohleöfen, wo es schon mal im Winter passierte, daß wir den Ofen mit einem Eimer Wasser auslöschten und dadurch uns einen freien Tag verdienten. An dieser alten Schule unterrichteten viele Originale. Wunderliche Lehrer, für die jetz kein Raum mehr vorhanden war. Da gab es einen Latein-und Griechischlehrer, der mit seinem gr0ßen Borgward die Schüler der umliegenden Ortschaften kostenlos in die Schule brachte. Einmal kam es vor, daß nach den großen Ferien dieser Lehrer nicht erschienen war. Er hatte einen unfall in der Türkei und mußte tagelang auf ein Ersatzteil warten. Ich erinnere mich auch an die Französischstunde, die für die meisten von uns wahre Erholungstunden waren. Dieser Lehrer vertrat ein in der damaligen Zeit geradezu anarchistisches Konzept des Laissez-Faire. Er kontrollierte nicht die Hausaufgaben, auch machte er niemals von seiner Autorität Gebrauch, indem er wie viele andere seiner Kollegen Ohrfeigen, Strafarbeiten und dergleichen andere Schulstrafen verhängte. Im Gegenteil, er stellte es jedem Schüler frei, am Unterricht teilzunehmen. Die Folge war, daß viele natürlich seinem Unterricht nicht folgten, Hausaufgaben für andere Fächer machten oder sich laut mit ihren Kameraden unterhielten. |
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Der Protest Rudimentäre Formen eines organisierten Protests gab es in der Andacht. Diese Andachten wurden von den Schülern gehalten. Der Dekan kam nur bei besonderen Anläßen wie in der Vorweihnachtszeit. Meistens jedoch waren wir bei den Andachten ganz unter uns . Die Schüler, die Andachten hielten, in der neuen Heimordnung hießen sie bekanntlich die Domvögte lasen einen kurzen Bibeltext vor und sagten auch die Lieder an. Eine Protestform, die sehr effektiv war, war das Falschsingen. Wenn der Organist einen Choral anstimmte, so sangen wir meistens zu hoch oder fügten Mißklänge an. Natürlich bemerkte der diensthabende Präfekt unsere Gotteslästerung und verordnete uns sogleich einen Strafgottesdienst. Das Ritual wurde dann nach dem Abendessen - die Andacht fand immer vor dem Abendessen statt- wiederholt , wobei die Präfekten besonders aufmerksam nach etwaigen Störenfrieden sich umschauten. Eine Protestform werde ich wohl nie vergessen. Einmal gab es einen Skandal. Ein Schüler hatte nämlich in das Pissoir geschissen. Diesen Vorfall fand die Heimleitung so ungeheuerlich, daß sie alle Heimschüler zusammentrommeln ließ. Dann wurden Gruppen gebildet und die Präfekten verhörten uns pausenlos bis in die frühen Morgenstunden. Schließlich hatten sie einen Kreis von Verdächtigen ausgemacht. Jetzt beschloß die Heimleitung , die Übeltäter mit Hilfe der Wissenschaft zu überführen. Jeder dieser Verdächtigen mußte, nur mit Turnhose und Unterhemd bekleidet, in der Toilette eine Stuhlprobe abgeben. Damit der mutmaßliche Täter keine Chance hatte, fremde Stuhlproben unter seine Kleidung in die Toilette zu schmuggeln, wurden alle Verdächtigen vor dem Gang in die Toilette einer Leibesvisitation durch den Heimsprecher unterzogen. Dann wurden die Proben zwecks bakteriologischer Analyse in die benachbarte Universitätsstadt geschickt. Tatsächlich hatten sie den Täter daraufhin ermittelt. Dieser, ein unscheinbarer Typ, wurde des Heimes verwiesen. Nach dem Motiv seiner Tat befragt, gab er zur Antwort, er habe damit gegen die Heuchelei im Heim protestieren wollen Hinter einer Fassade von Freundlichkeit stehe nämlich die Scheiße. Jetzt erklärten sich auch die mysteriösen Verstopfungen der Toiletten im Erdgeschoß. Jedesmal, ausgerechnet sonntags, wenn alle Heimschüler den Gottesdienst in der Stadtkirche besuchen mußten, liefen zur Verzweiflung von Schwester Martha die Toiletten über. Eine schmutzig gelbliche Brühe, manchmal mit Kot vermischt, ergoß sich über die Toilettenräume, kroch dann in das Foyer, ein Prunkstück des Hauses und verbreitete einen widerlichen Gestank. Niemand hatte ein Erklärung für dieses Phänomen. Der Hausmeister stocherte wie wild in der Scheiße herum und beseitigte schließlich mit Mühe diese Verstopfung. Der große Scheißer hat wieder mal zugeschlagen, so ging das Gerücht unter uns. |
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Der Rauswurf Gegen den zunehmenden Leistungsdruck, mehr Kontrollen und immer weniger Freiräume entwickelten wir Widerstand. Wir, damit meine ich einige Schüler der 12. Klasse. Wir lehnten es ab, Andacht zu halten, die Heimfeste feierten wir besonders exzessiv mit, wobei schon mal im betrunkenen Zustand Worte fielen wie “Nieder mit dem Direktor und dem Heimleiter, der nur eine Marionette des Direktors war. Die Oberen hatten jedoch Wind von einem Widerstandsnest bekommen, vielleicht durch Geständnisse bei den Ehrengerichten oder durch Spitzel, die es natürlich im Heim auch gab.. Ich wurde in den letzten Monaten vor meinem Rauswurf häufig vom Direktor vernommen. Der Vorwurf war immer der gleiche:”Gemeinschaftsschädigendes Verhalten”, weil ich mich weigerte, Andachten zu halten oder sonstige der von der Heimleitung uns zugestandenen Aktivitäten nicht erfüllte. An meinem 20 Geburtstag beschloß ich ein Fest zu machen. Am Vorabend lud ich einige meiner Freunde aus der Widerstandsgruppe in unser Gemeinschaftsschlafzimmer ein. Wie immer bei solchen Festen im Heim gab es viel Alkohol, meistens in Form von Bier, das ja auch von der Heimleitung toleriert wurde. Der Hausmeister durfte an die “Großen” , soweit ich mich erinnere, jeden Abend 2 Flaschen Bier verkaufen. Gegen Mitternacht, als unsere Köpfe schon von Bier und Wein ziemlich benebelt waren , faßten einige Teilnehmer den Entschluß, Zigaretten aus einem Automaten draußen zu holen. Solche Eskapaden hat es schon immer bei diesen Festen gegeben. Nun muß man wissen, daß das Heim nachts abgeschlossen ist. Die Schlüssel hatten nur die Präfekten und der Hausmeister. Also stiegen einige Zechkumpane aus dem Fenster und holten sich Zigaretten. Am nächsten Morgen gab es Alarm im Heim wegen des unerlaubten Entfernens einiger Heimschüler. Der Schuldirektor hatte kurzfristig eine Konferenz mit dem Heimleiter und den Präfekten angesetzt. Dann sprach er kurz nach dem Mittagessen , also zur Ansagezeit, das Urteil: Alle meine Freunde aus der Widerstandsgruppe wurden mit sofortiger Wirkung des Heimes verwiesen. Interessant jedoch war, daß nicht alle Teilnehmer gleich behandelt wurden. Der Heimsprecher kam mit einer Verwarnung davon, ebenso ein Schüler, dessen Vater, ein Fabrikant, kurz zuvor dem Heim ein Aquarium gespendet hatte. Ich mußte also noch am gleichen Tag nach H. reisen. Ich packte das Allernötigste und rief sogleich meine Eltern an. Mein Vater war sehr empört über diese Ungerechtigkeit und schickte am nächsten Tag, jede Stunde Telegramme an den Heimleiter, die Bibelzitate gegen diese Maßnahme enthielten. Diese unerbittliche Maßnahme erzeugte große Betroffenheit bei einigen Lehrern in der Schule. Aber was sollten sie machen? Sie hatten keine Macht. Nur der Französischlehrer verließ kurz danach die Schule und schrieb in einem Leserbrief, daß er den “undemokratischen Geist” dieser Schule nicht länger ertragen könne. Einige Heimschüler richteten mein Bett und die Betten andere Hinausgeworfenen so her, daß sie wie Soldatengräber aussahen. |
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Rituale: Betten umwerfen Eine andere Demonstration von Gewalt war das Bettenumwerfen. Besonders vor den Ferien wurde dieser Brauch gepflegt. Meisten schlichen sich dazu Schüler aus einem anderen Zimmer in das Zimmer ihrer schlafenden Kameraden. Mit einem Ruck wurde das Bett angehoben, so daß der ahnungslose Schläfer aus dem Bett fiel. Schüler, die einen besonders guten Schlaf hatten, wurden auf noch unsanftere Wiese geweckt. Man stellte das Bett in den Waschraum unter die Dusche und drehte dann voll auf - Im Winter eine ziemlich kalte Überraschung für den ahnungslosen Schläfer. Ein besonders perverses Vergnügen war es, einen Schüler ,der einen Bombenschlaf hatte, die Fußsohlen anzusengen. Meistens wurde bei solchen “Spielen” die Heimleitung aktiv und schritt dagegen ein, wenn sie konnte. Doch ich hatte den Eindruck, daß diese Form der Gewalt von der Heimleitung sozusagen stillschweigend geduldet wurde als Ventil ihrer Gewalt, die sie gegen die Schüler ihrerseits anwendete. |
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Rituale: Gewalt die
Präfekten Die Organisation des Heimes war streng hierarchisch gegliedert. Dem Heimleiter unterstanden die Präfekten (Erzieher) , von denen einer der Erste also eine Art Kapo war. (Kapo eigentlich ein Nazikürzel für die zwecks Selbstdisziplinierung im KZ eingesetzte Kameradschaftspolizei ) . Einer unter diesen Präfekten -der beste Freund übrigens des Heimleiters - tat sich besonders durch seine Aggressivität hervor. Dieses Gespann brachte viel Unheil über uns Schüler. Der Heimleiter, ein Mann um die dreißig, der aber schon älter wirkte vor allem durch seine ungeheure Eß- und Fresslust, konnte seine Aggressionen gegen die Heimschüler fast ungehemmt ausleben. Besonderes Vergnügen bereitete es ihm, uns zu demütigen. So schrie er mich an, weil ich in Mathematik eine fünf geschrieben hatte. Das war Anlaß für eine „Sonderbehandlung, auch ein Naziwort übrigens, seines Stellvertreters. Dieser, ein ewig studierender Mathematikstudent, Saufbruder und Mitglied einer schlagenden Verbindung, empfand eine sadistische Freude bei einer solchen Behandlung. Diese „Sonderbehandlung,“ euphemistisch auch Nachhilfe genannt, bestand darin, daß ich Nachhilfestunden bei dem Sadisten nehmen mußte. Als erste gab es beim Eintreten in sein Zimmer eine Watsche, damit ich mich besser konzentrieren könne, wie er es nannte. Dann erfolgte die „Sonderbehandlung:“ eine falsche Antwort - eine Ohrfeige, Nach der Mathematikstunde kam ich immer heulend aus dem Zimmer heraus, fertiggemacht physisch und psychisch von einem Ungeheuer. |
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Schwester Martha Eine Diakonisse fungierte als Chefin über das Küchenpersonal. Trotz ihres Alters - sie ging auf die sechzig zu- kannte sie keine Rast. Von frühmorgens bis spätabends war sie auf den Beinen , Bettwäsche wechseln, die Kranken betreuen, die in einem Krankenzimmer untergebracht waren, zählten zu ihren Hauptaufgaben. Sonntags kontrollierte sie in den Zimmern, ob auch alle Kofferradio von uns ausgeschaltet waren. Denn vor dem Gottesdienst war es in ihren Augen eine Sünde, am Tag des Herren weltliche Musik zu hören. |
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Family Life: Die Dinge
sprechen Graues , gepunktetes Kostüm, daneben schritt ein grauer Anzug , auf dem eine Kugel saß, auf dem Kostüm thronte eine Glaubenszwiebel, ca 30 cm darunter bewegte sich eine Öffnung, aus ihr wurden Wortfetzen ausgestoßen wie schön, ordentlich und immer wieder harmonisch, aus der anderen Öffnung kamen Schallwellen, die das menschliche Ohr in Laute wie Sünde, gottlos und immer wieder keinen Respekt vor den Eltern umformte. Hinter diesen Bekleidungsstücken marschierten: ein Matrosenanzug, blau weiß gestreift, eine verkleinerte Kopie des grauen geblümten Kostüms, dann zwei dunkelblaue Anzüge, eine Lederhose mit Hosenträgern in der Mitte ein Hirschbild und nicht zu vergessen , das graue Kostüm schob einen weißen Karren aus Weide. Darin lag ein weißes, zusammengeknülltes Etwas. Manchmal geriet diese merkwürdige Prozession ins Stocken, nämlich dann, wenn einer der zahlreichen Bekannten sich ihr näherte. Die Kugeln mit den Öffnungen drehten sich nach hinten, Schallwellen traten aus den Öffnungen hervor und bewirkten, daß die Kleider sofort die Formation eines Kreuzes bildeten, weil es ja Sonntag war. |
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